„Zahlt sich das aus?“

Das ist wohl die Frage, die ich am häufigsten gehört habe, seit ich angefangen habe, auf meinem Balkon Gemüse anzubauen.

Die kurze Antwort ist: nein.

Jedenfalls nicht im finanziellen Sinn. Mit Töpfen, Untersetzern und Blumenkisterln, Haken und Bambusstangen, Erde, Dünger, Pflanzen und Samen bin ich letzes Jahr auf Ausgaben von € 403,71 gekommen (ja, ich hab mitgeschrieben). Der Wert meiner Ernte ist schwerer zu berechnen, aber ich hab trotzdem mitgewogen und beim Einkaufen Preise notiert, und bin damit auf € 231,57 gekommen. Also knapp über die Hälfte meiner Ausgaben. Und auch bei den Vorträgen, bei denen ich letzes Jahr war, ist uns immer wieder versichert worden: Nein, es zahlt sich nicht aus.

Die lange Antwort ist: Ja.

Ja, weil Geschmack nicht mit Geld zu bezahlen ist. Weil ein einziges knackiges, würziges Radieschen mehr wert ist als ein ganzer Bund radieschenförmiges Wasser. Weil eine einzige süße, sonnenwarme Kirschtomate mehr wert ist als ein Kilo blasses, tomatenförmiges Wasser. Weil drei frische Blätter Pflücksalat, die auch nach Salat schmecken, mehr wert sind als ein ganzer Kopf salatförmiges Wasser.

Ja, weil es Spaß macht. Weil es nichts gibt, das mir mehr Freude macht, als zu beobachten,wie etwas, das ich gepflanzt hab, wächst, und nichts befriedigender ist, als am Ende des Tages in meinen „Garten“ zu gehen und mein Abendessen zu ernten.

Ja, weil ich glaube, dass ich auch meine Ausgaben abdecken werde können. Weil ich dieses Jahr keine Pflanzgefäße und Bambusstäbe mehr kaufen muss, nur mehr ein paar Säcke frische Erde, nur mehr wenige Samen und Pflanzen. Und weil ich dieses Jahr weiß, was sich letztes Jahr bewährt hat und was nicht, und nicht mehr unnötig Platz, Zeit, Geld und Arbeit auf Gemüsearten verschwenden werde, die sich nicht „ausgezahlt“ haben.

Mittlerweile hab ich euch diese Liste schon zweimal versprochen, und hier kommt sie endlich, zumindest der erste Teil – das, was sich ausgezahlt hat:

Kräuter: Auf jeden Fall die „Nummer 1“. Vor allem Schnittlauch und Petersilie, so „gewöhnlich“ sie auch sind. Gut, ich hätte wahrscheinlich nicht jede Woche einen Bund gekauft, aber nachdem sie da waren, hab ich jede Woche einen Bund gegessen – mit diesen zwei Arten hab ich sicher am meisten gespart. Kresse war ähnlich einträglich, Zitronenmelisse hat mich überwuchert, und ich kann mich immer noch nicht vor Zitronenmelissentee und –saft retten. Dazu noch Rosmarin, Thymian, Basilikum, Oregano, Majoran, Bohnenkraut, Liebstöckl, Zitronenverbene… nur der Salbei hat wie jedes Jahr erst Mehltau bekommen und ist dann eingegangen. Ich glaub, der mag mich einfach nicht…

Tomaten:  Meine „Einstiegsdroge“ ins Balkongärtnern, und auf jeden Fall „alle Jahre wieder“, weil die Supermärkte einfach mit dem Geschmack und der Vielfalt nicht mithalten können. 9,2 kg hab ich zwischen Juni und Dezember verspeist, und es hätten mehr sein können, wenn ich mit dem Düngen nicht so schlampig gewesen wäre. Erde und Samen sind damit auf jeden Fall „abbezahlt“, und ein paar von den Töpfen auch.

Pflücksalat: Nach drei Jahren ohne Gemüsegarten hatte ich schon ganz vergessen, wie Salat eigentlich schmecken soll. Jetzt hab ich das kleine Problem, dass ich keinen mehr kaufen kann, weil es mir vor dem wässrigen, welken Supermarkt-Zeug graust. 2 kg, und damit haben sich Pflanzen, Erde und ein paar Blumenkisterl bezahlt gemacht.

Mangold: Fast 2 kg, und er wächst noch immer. Und dann noch schön bunt – wer hat denn gesagt, dass Gemüse keine Zierde sein kann?

Kohlrabi: Bis jetzt hab ich ein bisschen über 1 kg gegessen, aber es ist noch jede Menge draußen. Ich ess nicht allzu viel Kohlrabi, aber das bisschen, das ich esse, werde ich weiter selbst ziehen.

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10 Antworten zu „Zahlt sich das aus?“

  1. Pingback: „Zahlt sich das aus?“ Teil 2 | Gemüse aus Balkonien

  2. MaRa schreibt:

    Hi, deine Seite gefällt mir total gut. Ich war auch gerade auf meinem Balkon fleißig. Bei mir gibt es dieses Jahr Mini-Gurken (sehr zu empfehlen), Tomaten, Mini-Zucchini, Kräuter, Erdbeeren und Mini-Blumenkohl. Bin gespannt auf die Ernte. Viel Erfolg in dieser Saison. Freue mich über weitere Tipps und habe auch schon direkt ne Frage an die Fachfrau: erholen sich Salbei und Rosmarin (war beides im Winter draußen und ist fast vertrocknet) nach dem Zurückschneiden?
    Danke!

    • Ivynettle schreibt:

      Salbei und Rosmarin vertragen normalerweise einen Rückschnitt gut – allerdings kann es (besonders beim Rosmarin) sein, dass er erfroren ist. Kratz mal an der Rinde, ob’s darunter noch grün ist.
      Bei den Gurken, Zucchini und Tomaten passt du eh noch auf? Falls sie schon draußen sind, regelmäßig Wetterbericht schauen und eventuell in kalten Nächten noch abdecken/reinstellen.

  3. MaRa schreibt:

    Danke für die Info. Tomaten, Gurken, Zucchini und auch der Blumenkohl stehen noch auf der Fensterbank. Kannst du mir Pflücksalate empfehlen? Habe mal Feldsalat ausprobiert, aber der ist nicht so richtig gewachsen…
    Schön, dass es noch andere Balkon-Plantagen-Begeisterte gibt!

  4. Ivynettle schreibt:

    Feldsalat ist bei mir auch nicht gut gewachsen bzw. kaum gekeimt.
    Beim Pflücksalat hab ich Lollo Rosso und eine grüne Sorte, deren Namen ich nicht weiß – da müsste ich in der Arbeit nachschauen.
    Außerdem hab ich über einen Pflanzen-/Saatguttausch noch rotgefleckten Eichblattsalat aus England bekommen, den sollte ich mal aussäen – bin neugierig, wie der wächst.

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  7. Pflanzenfreund schreibt:

    Eigenes Gemüse ist tatsächlich nicht die preiswerteste Sache… Aber ich gebe Dir recht: Es schmeckt unbezahlbar! Was den Preis ein wenig auf Dauer ein wenig niedriger halten könnte, wäre ein Bokoashi – oder entsprechend selbst gebastelt. So kann man auch als Balkongärtner seinen eigenen Kompost haben und verwenden. Und was gibt es besseres als Kompost? Außerdem fallen auch auf einem Balkon „Abfälle“ an. Und die müssen ja nun nicht unbedingt in die Tonne, sondern sollten den Pflanzen wieder zugeführt werden.

    • Ivynettle schreibt:

      Ich hab mir schon öfter gedacht, dass ich mich mit diesem Thema einmal beschäftigen sollte. Aber leider bin ich bis jetzt noch nie dazu gekommen. Ich habe einfach zu viele Hobbys!

      • Pflanzenfreund schreibt:

        Ups, ich sehe gerade… Es heißt natürlich Bokashi. In voller Gänze habe ich mich, muss ich gestehen, damit auch noch nicht beschäftigt. Ich weiß nur, dass die im Original recht teuer sind, aber einfach nachzubauen. Vom Prinzip her finde ich das echt nicht schlecht.

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