Turmbau zu Balkonien

Mittlerweile ist es schon Jahre her, dass mir eine Freundin den Link zu dieser Anleitung geschickt hat (ist zwar auf Englisch, aber ich denke, die Bilder sprechen für sich) – meine Reaktion war natürlich sofort: „will haben!“, aber es ist dann nie dazu gekommen. Zum Teil wahrscheinlich, weil ich mir da den Balkon noch mit meiner Mutter teilen musste, zum Teil auch, weil mir das mit den Plastikrohren zu kompliziert war.

Dieses Jahr wollte ich aber nicht mehr länger warten – obwohl ich immer noch keine Plastikrohre kaufen wollte, und obwohl ich nicht einmal mehr Tontöpfe übrig hatte… und auch keine kaufen wollte. Ich hab eh schon so viel Zeug, und möchte auch nicht mehr zu viel Geld ausgeben – irgendwann soll sich dieses ganze Balkon-Gärtnern ja auch einmal rechnen. (Und außerdem ist es ein bisschen umständlich, große Tontöpfe am Fahrrad zu transportieren. Geht auch, aber halt nicht mehr als ein, zwei auf einmal.)

Darum also: Plastiktöpfe. Davon hatte ich noch einige, wenn auch großteils keine besonders schönen. Letztes Jahr hat uns in der Gärtnerei ein Kunde einen Stapel alte, mehr oder weniger hässliche Töpfe gebracht, mit den Worten: „Vielleicht könnt ihr die noch brauchen.“ – ja, bitte, immer her damit! Somit war das einzige, das ich kaufen musste, eine Metallstange, um die Töpfe „aufzufädeln“.

(Randbemerkung: Stangen sollte man eher nicht mit dem Fahrrad transportieren. Die rutschen einem irgendwann aus der Hand, und dann passiert… nein, mir und den Fahrradspeichen zum Glück nichts, aber der Stange das:

… äh… ja… eigentlich hab ich eine Metallstange gekauft weil die stabiler sein sollte als Bambus…)

Als „Bauplatz“ habe ich eine windgeschütze Ecke ausgesucht. Dort brauch ich mir eigentlich keine Sorgen machen, dass der Turm umfällt, aber praktischerweise ist das auch die Wand, in der auch ein paar Schrauben zum Sachen-Festbinden- und -Aufhängen sind (die Vormieter hatten dort ihre Satellitenschüssel. Mir kommt kein Fernseher in die Wohnung, aber die Dübel sind praktisch.)

Einer von den alten Töpfen (praktischerweise auch der größte) war ein Tontopf, den hab ich als Basis verwendet (nachdem ich es endlich geschafft hatte, in die Ecke zwischen Wand und Plastiktrögen auf Holzkisten zu quetschen):

Ja, der "Untersetzer" ist der Deckel von einem Farbkübel. Bis auf die Stange ist das ein superbilliger Recycling-Turm!

Anstatt Plastikrohre abzusägen und anzubohren, hab ich die Stange einfach durch das Abzugsrohr gesteckt, und damit sie nicht zu sehr wackelt, noch einen kleineren Tontopf drübergestülpt:

Weil dadurch das Abzugsloch ziemlich zugestopft wurde (und Töpfe ohne Abzugslöcher sind böööse, merkt euch das! ;-) ), hab ich eine Drainageschicht aus Leca (Blähton für Hydrokultur) drüber gegeben

und mit Vlies abgedeckt:

So kann überschüssiges Gießwasser in die Zwischenräume zwischen den Tonkugerln hinuntersickern, und die Erde ist nicht dauernd mit Wasser vollgesaugt.

Ja, die Erde – die war dann endlich an der Reihe. Ich hab jeden Topf sozusagen lasagne-mäßig mit Schichten aus alter Erde vom vorigen Jahr, Hornspänen und frischer Erde gefüllt.

Und dann – der nächste Topf. Wenn ich mir die Anleitung vorher noch einmal durchgelesen hätte, hätte ich die oberen Töpfe vielleicht schräger gestellt – aber andererseits war das in der Ecke auch gar nicht so gut möglich.

Topf. Erde. Topf. Erde. Bei den schräg stehenden Töpfen immer dran denken: die Erdoberfläche muss waagrecht sein, nicht paralell mit dem Topfrand – und genügend Gießrand lassen, sonst gibt’s beim Gießen Erdsuppen-Überschwemmung (ist mir aber auch nicht bei allen so gut gelungen…)

Stapeln, stapeln, bis entweder die Stange oder die Töpfe aus sind:

Man sieht's auf dem Foto nicht gut, aber die Spitze der Stange ist mit Draht an einer Schraube in der Wand befestigt.

Durch die Plastiktöpfe ist es nicht unbedingt ein Prachtexemplar, und bei den unteren Töpfen gibt es nur recht wenig freie Erde, wo ich etwas einpflanzen kann – aber ich hoffe einfach, dass es trotzdem hinhaut, und dass man die Töpfe nicht mehr so sieht, wenn etwas drin wächst.

Ich habe den Turm dieses Jahr mit Oka bepflanzt, weil die laut Handbuch Bio-Balkongarten (das ich immer noch nicht gelesen hab, Schande über mich – bis auf die Seite über Oca eben) auch im Halbschatten gedeihen sollen, und die hinteren Ecken sind sicher nicht die sonnigsten. Außerdem hab ich dieses Jahr Pflanzen gegen Oka-Knollen eingetauscht, und jetzt hab ich irgendwie ein bisschen viel für meinen Mini-Garten:

Ich werd sicher einmal noch mehr über Oka schreiben – obwohl ich derweil selber noch nicht viel Erfahrung hab.

Jedenfalls war ein dritter Grund, warum ich den Turm für Oka verwenden wollte, dass man ihn in der Ecke so toll mit Vlies einpacken kann:

Sieht irgendwie aus, als würde da eine besonders große und dünne Gestalt sitzen…

Man kann den Turm sicher auch gut mit Erdbeeren oder Kräutern bepflanzen, mit Ampeltomaten, vielleicht mit Salaten (wobei die eigentlich nicht so viel Erde brauchen würden), Süßkartoffeln würden sicher auch toll ausschauen, Kohlgemüse könnten auch gehen…

Lustigerweise hat am selben Tag, als ich meinen Turm gebaut hab, Kathrin von Meine kunterbunte Topfgartenwelt über ihren Turm geschrieben! Wer also noch Inspiration braucht (oder einen schöneren Turm als meinen sehen will) – nichts wie rüber zu Kathrin!

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6 Antworten zu Turmbau zu Balkonien

  1. Kathrin schreibt:

    Ich finde das echt genial! So einen Turm wollte ich am Anfang für meine Erdbeeren bauen und habe mir sogar eine Anleitung aus dem I-Net herausgesucht. So gut mir Deine Variante gefällt, sie würde bei unserem Wind schnell umfallen, aber für den Balkon ist sie total super – ein echter Hingucker. Jedenfalls vielen Dank für das Lob, ich kann es nur zurückgeben und die Verlinkung – werde ich auch nachholen.
    Danke auch ür den Tipp zum Befüllen von schrägen Töpfen, ich erwische meistens zu viel Erde und habe dann eine ziemliche Sauerei :)
    Das Blumenkisterl mit Salat ist auch nicht schlecht, perfekt für eine direkte Ernte am Küchenfenster.

    lg kathrin

    • Ivynettle schreibt:

      Ja, der Salat ist auch super – der kriegt demnächst einen eigenen Eintrag.

      Frei stehend würd ich mich über so einen Turm auch nicht drüber trauen – aber ich hab da sowieso einen leichten Verfolgungswahn, bei mir ist immer alles doppelt und dreifach gesichert. Ich glaub, das sind immer noch Nachwirkungen von meinem abgestürzten Bücherregal.

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