Das ist ja zum Schießen!

Schießen, schossen oder auswachsen nennt man es, wenn eine Pflanze einen Blütentrieb bildet, bei der man das eigentlich nicht will, also bei Blatt- oder Wurzelgemüse.

Zum Beispiel bei Salat und Radieschen passiert das häufig im Sommer, weil die Blütenbildung bei diesen Pflanzen durch hohe Temperaturen und lange Tage angeregt wird. Salat wird dabei leider bitter, und die Radieschen holzig oder „pelzig“ bzw. bilden überhaupt keine Knolle aus.

Bei anderen Pflanzen wird die Blütenbildung durch niedrige Temperaturen angeregt – das sind sogenannte zweijährige Pflanzen, die im ersten Jahr nur Wurzeln und Blätter bilden und im zweiten Jahr dann die Blüten und Samen. Dazu gehören zum Beispiel Karotten, Petersilie und Mangold.

Ein zweiter Faktor ist, wie gut es den Pflanzen geht. Eine Pflanze, die ständig „Stress“ hat, die unter Trockenheit und Nährstoffmangel leidet, blüht früher als eine, die gut versorgt ist. Wenn man versucht, so zu „denken“ wie eine Pflanze, ist das ganz logisch: Pflanzen sind (wie eigentlich alle Lebewesen) darauf „programmiert“, ihre eigene Art zu erhalten, sich also zu vermehren. Im Gegensatz zu einem Tier kann eine Pflanze aber einen ungünstigen Lebensraum nicht verlassen. Wenn sie also merkt: „Hier geht es mir nicht gut, ich werde hier bald verhungern oder verdursten“, wird sie versuchen, so bald wie möglich Blüten und Samen zu bilden und sich noch zu vermehren, bevor sie stirbt – vielleicht gelingt es ja ihren Nachkommen, einen besseren Standort zu „finden.

Ich habe das dieses Jahr bei meinen Fensterkisterln ganz deutlich beobachten können – die Pflanzen am Küchenfenster sind viel früher geschossen als am Schlafzimmerfenster

Dieses Jahr sind meine Pflanzen außerdem leicht verwirrt:

Dieses Jahr schießen Mangold und Salat, obwohl gleich alt, gleichzeitig.

Das liegt an dem etwas seltsamen Wetter, das wir dieses Jahr gehabt haben – erst, Ende April, Anfang Mai, sehr warm, dann wieder ziemlich kalt, und jetzt wieder heiß. Dass der Salat bei diesen Temperaturen auswächst, ist verständlich. Und der Mangold? Der „glaubt“, es ist schon nächstes Jahr. Pflanzen können ja keinen Kalender lesen, und so hat er nur wahrgenommen: Es ist warm – Sommer. Es ist kalt – es muss Winter sein. Es ist wieder warm – es ist wieder Sommer, Zeit zum Blühen.

Den Karotten und der Petersilie geht es ähnlich – von den Karotten hab ich schon mehrere ausgerissen, die Petersilie wird eh regelmäßig zurückgeschnitten, aber auch da zeigen sich immer wieder vorwitzige Blütenstiele.

Bei den Karotten ist das Problem ähnlich wie bei den Radieschen – auch hier bleiben die Wurzeln klein und dünn. Die Petersilie lässt sich zum Glück weiter verwenden. Beim Mangold probiere ich gerade aus, wie er sich entwickelt, wenn ich ihn zurückschneide. Bilden die Seitentriebe auch gleich wieder Blüten, oder kann ich von denen über den Sommer weiter ernten? Wenigstens scheint sich beim Mangold der Geschmack nicht zu verändern.

Im Gegensatz zum Salat: Ich hab es zwar noch immer nicht übers Herz gebracht, ihn auszureißen, aber er ist einfach nicht mehr genießbar. Vor allem der Lollo Rosso ist so bitter, dass man nicht einmal mehr ein klitzekleines Stück essen kann. Der grüne Pflücksalat ist zwar auch etwas bitter, aber gerade noch essbar.

Zwei Pflanzen habe ich ja noch rechtzeitig abgeschnitten und als ganzes gegessen, anstatt immer nur ein paar Blätter zu ernten. Die Strünke treiben bei beiden wieder aus – interessanterweise sind beim grünen die jungen Blätter wieder gut, beim roten aber immer noch bitter.

Die Radieschen habe ich dieses Jahr schon ausgerissen, um Platz für anderes Grünzeug zu machen, aber eigentlich ist es bei denen nicht so schlimm, wenn sie blühen. Erstens locken sie Insekten, und damit Bestäuber, auf den Balkon, und zweitens kann man die Samenschoten auch essen. Wenn ich einen „richtigen“ Garten mit Komposthaufen hätte, wäre mir das wahrscheinlich egal, da würde ich viel mehr wegschmeißen, aber hier in meinem kleinen Balkongärtchen wird alles gegessen, was nur irgendwie geht!

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9 Antworten zu Das ist ja zum Schießen!

  1. veganinternational schreibt:

    Hast du den Mangold nur im Blumenkasten oder ist der tiefer als normale? Ich müsste einige Pflänzchen noch umtopfen, momentan sind aber nur die Blumenkasten leer – vorher war Spinat drin, den ich schon abgeerntet habe. Meinst du das wird was oder sind die doch zu flach? Habe mal gelesen das Mangold viel Platz nach unten braucht.

    In einem anderen Kübel (viel Platz nach unten) habe ich 4 Mangoldpflänzchen um meine Aubergine gepflanzt – aus bekannter Platz- Topfnot. Nun braucht die Aubergine aber schon ein wenig lange um ihre Blüten auszubilden. Ob es daran liegt, dass die Wurzeln neben dem Mangold zu wenig Platz haben?

    Lieben Gruß und vielen lieben Dank
    Kathi

    • Ivynettle schreibt:

      Mangold wächst bei mir ganz gut im Blumenkisterl – ich würde die Erde gründlich lockern, bevor du ihn einsetzt, eventuell ein bisschen nachdüngen, aber das müsste schon gehen.
      Die Erfahrung, dass anderes neben Mangold nicht so gut wächst, habe ich auch schon gemacht – der bildet offensichtlich wirklich ein ziemlich kräftiges Wurzelsystem, so dass sich andere Pflanzen im selben Topf oder Kisterl nicht mehr gut entwickeln (bei mir v.a. Salat und Süßkartofffeln).

      • veganinternational schreibt:

        Lieben Dank für die Antwort! Dann probier ich den Blumenkasten-Mangold auch mal aus! Vllt. nehme ich gleich den neben der Aubergine weg, oder ist das zu gefährlich, weil ich dabei die Wurzeln verletzen könnte? Das ist mein ersten Jahr als Balkongärtnerin – du merkst – ich bin da noch sehr unerfahren! ;)

      • Ivynettle schreibt:

        Kommt drauf an, wie miteinander verwachsen das ganze schon ist. Den Verlust von ein paar Wurzeln verkraften sie sicher, wobei ich glaube, dass der Mangold das leichter wegsteckt als die Aubergine – bei der kann’s schon sein, dass sie dann einmal Blüten/Früchte abwirft. Ach, warte, du hast doch geschrieben, sie hat noch keine, richtig?
        Wenn der Mangold noch nicht riesig groß ist, würd ich’s dann einfach mal probieren. Eventuell vorher die größeren Blätter ernten und verwerten (könnte schon sein, dass ein paar Blätter absterben, also besser vorher essen), und lieber dem Mangold als der Aubergine ein paar Wurzeln abreißen. Bei der Aubergine frische Erde und ev. Dünger nachfüllen, dann müsste sie gleich einmal einen Wachstumsschub machen.

      • veganinternational schreibt:

        Erneut vielen Dank für deinen Rat! Ich hab nun drei Mangold-Pflanzen umgesetzt und eine mit stehen lassen. Außerdem hab ich noch ein bisschen frische Erde verteilt incl. Dünger. Ich hoffe das wird meiner Aubergine gut tun! :)
        Lieben Gruß
        Kathi

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  4. Gila Schäfer schreibt:

    Ich habe ein separates Mangold Hochbeet, rund, mit Steinen eingefasst, ca. 1 m Durchmesser. Die Pflanzen vom Vorjahr habe ich abgedeckt überwintern können. Nun sind sie alle geschossen. Obwohl ich sie schon einmal abgeschnitten habe, sind sie wieder mindestens 1 m hoch. kann ich die Blätter noch essen? (Oxalsäure) Wenn ich die Pflanzen ausreißen muß, kann ich erneut Mangold in das Hochbeet säen? Sehr interessant fand ich die Begründung, warum Pflanzen schossen. Herzlichen Dank für die vielen interessanten Informationen.
    Gila

    • Ivynettle schreibt:

      Ich esse sie immer trotzdem noch. Aber vielleicht sollte man das sicherheitshalber nicht in großen Mengen tun.
      Auch wenn du die Blütenstängel abschneidest, werden sie immer wieder kommen – jetzt ist für eine Mangoldpflanze im zweiten Jahr einfach die natürliche Zeit zum Blühen, das kann man nicht verhindern.
      Wahrscheinlich kannst du schon wieder Mangold dorthin säen, aber besser wäre es sicher, den Platz zu wechseln, wenn du die Möglichkeit dazu hast.

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