Der Beginn der Bohnen

Nach dem Ende der Erbsen geht’s jetzt mit anderen Hülsenfrüchten weiter. Als Österreicherin sollte ich ja eigentlich schreiben: „Der Anfang der Fisolen“, vor allem, weil ich persönlich bei „Bohnen“ eher an Trockenbohnen denke, aber das ist halt kein so schöner Stabreim. Außerdem weiß ich ja nicht, ob alle meine Leser wissen, was Fisolen sind…. nämlich das, was man in Deutschland „grüne Bohnen“ nennt. Was irgendwie blöd ist, weil meine Fisolen nämlich überhaupt nicht grün sind, sondern violett und gelb:

Besonders viele sind es noch nicht, erst 80 g, aber es werden sicher noch mehr werden. Von den zwei Töpfen, die wir in der Arbeit stehen haben, damit unsere Kunden auch sehen, was alles auf einem Balkon möglich ist, haben wir schon mindestens ein Kilo geerntet!

Außer drei Sorten Fisolen (Blauhilde, Neckargold und Neckarkönigin, wobei die dritte ganz schlecht gekeimt ist), habe ich auch noch Käferbohnen (Feuerbohnen), die ich wirklich wegen der Bohnen, also der Kerne, angepflanzt habe.

Bei denen hat es etwas länger gedauert, bis sie die ersten Hülsen angesetzt haben. Das liegt daran, dass Käferbohnen (botanisch Phaseolus coccineus) und Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris) verschiedene Arten mit unterschiedlicher Bestäubungsbiologie sind.

Ich fürchte, da muss ich jetzt einmal ein bisschen abschweifen – das hat jetzt nur mehr am Rande mit Balkongärtnern bzw. Gärtnern überhaupt zu tun, wen’s nicht interessiert, muss ja nicht weiter lesen, aber es würde mich natürlich freuen, wenn ihr’s tut – das Thema „Arten“ und „Sorten“ kann nämlich für Gärtner im Gespräch mit „Laien“ ganz schön ermüdend werden, wenn man es immer wieder erklären muss. Also bringen wir’s hinter uns!

Ich glaube, in der Schule habe ich die Definition einer Art so gelernt, dass Lebewesen, die sich miteinander fortpflanzen können und dabei fruchtbare Nachkommen hervorbringen, einer Art angehören. Bei Tieren mag das stimmen – Pferd und Esel können zwar miteinander Junge zeugen, aber Maultiere und Maulesel sind steril, können sich also nicht weiter fortpflanzen.

Bei Pflanzen ist das ganze etwas komplizierter, da sind sogenannte Arthybriden, also Pflanzen, die aus einer Kreuzung zwischen zwei verschiedenen Arten entstanden sind, oft auch fruchtbar… da weiß ich eigentlich selber nicht, wie da eine Art definiert wird. Aber überlassen wir diese Frage lieber den Botanikern. Machen wir es uns einfach und sagen: Alle Pflanzen, die den selben wissenschaftlichen, „lateinischen“ Namen haben, gehören der selben Art an. Bei den Bohnen also zum Beispiel Phaseolus coccineus und Phaseolus vulgaris. Man sieht, der erste Teil des Namens, der Gattungsname, ist gleich – so wie bei uns Menschen der Familienname, ein Zeichen, dass sie eng verwandt sind (übrigens leitet sich das österreichische Wort „Fisole“ wahrscheinlich von Phaseolus ab).

Bei jeder Art kann es dann verschiedene Sorten geben, die zwar genetisch eng verwandt sind, aber verschieden aussehen – bei der Gartenbohne zum Beispiel Stangenbohnen und Buschbohnen.

Bei den Tieren ist es ganz ähnlich, nur spricht man dort statt von „Sorten“ von „Rassen“. Zum Beispiel gehören alle Hunde der selben Art (Canis lupus familiaris) an, obwohl sie sich in Aussehen und Größe extrem unterscheiden können.

Um zu den Bohnen zurückzukommen:

Das war hier deswegen relevant, weil die Gartenbohnen/Fisolen (Phaseolus vulgaris) Selbstbestäuber sind, also auch Früchte ansetzen, ohne dass Insekten den Pollen von einer Blüte zur anderen tragen müssen. Also kann schon die erste Blüte, die noch ganz einsam vor sich hin blüht, sich zu einer Hülse entwickeln.

Käferbohnen (Phaseolus coccineus) dagegen sind Fremdbestäuber, das heißt, sie brauchen den Pollen einer anderen Blüte und Insekten, die sie sie bestäuben. Und so ist eine Blüte nach der anderen abgefallen, ohne eine Hülse zu bilden, bis endlich genug Blüten offen waren und die Bienen entdeckt haben: „Oh, hier gibt’s was zu essen!“

Wer Käferbohnen pflanzt, sollte also genügend davon ansäen, damit mehrere Pflanzen gleichzeitig blühen, und sich nicht wundern, wenn es etwas länger dauert, bis man die ersten Hülsen sieht.

Und wer selbst Samen ernten will, kann beliebig viele Gartenbohnen-Sorte pflanzen, weil sich die normalerweise nicht verkreuzen, sollte sich aber auf eine Käferbohnen-Sorte beschränken.

Noch ein anderer Unterschied zwischen den beiden Bohnenarten, der nicht wirklich wichtig ist, aber den ich dieses Jahr zum ersten Mal bewusst beobachtet habe:

Gartenbohnen sind epigäisch, das heißt, die Keimblätter (eigentlich die zwei Hälften des Bohnenkerns) sind über der Erdoberfläche:

Käferbohnen sind hypogäisch, die Keimblätter bleiben unter der Erde:

… und Löwenzahnsamen schaffen es sogar bis auf den Balkon…

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8 Antworten zu Der Beginn der Bohnen

  1. Kathrin schreibt:

    Fand Deinen Bericht wirklich sehr interessant. Meine Bohnen sind noch ganz weit hinten, die haben erst mit der Blüte angefangen – liegt wohl am miesen Wetter. Aber in Wels ist es wahrscheinlich nicht viel besser.

    lg kathrin

    • Ivynettle schreibt:

      Großartig war das Wetter hier auch nicht, aber am Balkon ist es zum Glück recht geschützt. Da ist es sogar besser, wenn es nicht so heiß ist, angeblich blühen Bohnen bei zu hohen Temperaturen nicht.

  2. C schreibt:

    meinst du die käferbohnen würden jetzt noch ordentlich wachsen? ich will es nur möglichst schnell grün haben als sichtschutz auf dem neuen balkon, tragen oder blühen müssen sie nicht unbedingt.

  3. Annette Muck schreibt:

    Hallo lvynettle,
    super interessanter Artikel. Jetzt hab ich auch endlich mal verstanden wo der Unterschied zwischen Sorten und Arten liegt :) Wie hoch sind deine Bohnen geworden? Ich habe noch Platz auf dem Balkon an einer Wand (ca. 1 Meter hoch) und möchte sie am Ende nicht abschneiden, weil sie zu groß werden. Außerdem liegt die Wand im Schatten und ich habe gelesen, dass Bohnen auch im Schatten gedeihen. Was hast du für Erfahrungen gemacht? Bohnen kann man ja anscheinend Mitte Mai noch säen…
    Annette

    • Ivynettle schreibt:

      In dem Fall würde ich lieber Buschbohnen säen – Stangenbohnen werden schon mindestens zwei Meter hoch.
      Wegen dem Schatten, das hab ich noch nicht probiert. Aber so teuer ist eine Packung Samen ja nicht – vielleicht probierst du es einfach aus?

  4. Robert schreibt:

    Bohnen setzen bei grosser Hitze keine Schoten an! Wie viel Wassernbrauche ich um den entgegenzuwirken?

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