Die Bienchen, die Blümchen und die Pinselchen

Letztes Jahr hab ich ja mit den Gurken nicht so viel Glück gehabt. Eine von den teuren gekauft, eine veredelte Mini-Schlangengurke… und dann hab ich nur vier Gurken geerntet.

Zum Glück hat die eine Freilandgurke, die wir in der Arbeit ins Folienhaus gesetzt haben, gewuchert wie verrückt, dass wir mit dem Essen gar nicht nachgekommen sind.

Drum also dieses Jahr auch in Balkonien die „Billigvariante“ Freilandgurke. Außerdem schmecken mir die eigentlich besser.

Jetzt fragt sich wahrscheinlich der/die eine oder andere: „Und was ist da jetzt was?“

Schlangengurken (Glashausgurken, Salatgurken) sind die langen, dünnen Gurken, die man eigentlich das ganze Jahr zu kaufen kriegt.

Feldgurken (Freilandgurken, Schälgurken) sind dicker und oft kürzer als Schlangengurken, mit einer stachligen/warzigen Haut und meistens mit mehr Kernen.

Soweit ich dass jetzt (ohne viel zu recherchieren) sagen kann, sind Schlangengurken meistens parthenokarp, das heißt, sie bilden auch Früchte aus, ohne dass die Blüten bestäubt worden sind. Deswegen sind Schlangengurken im Normalfall kernlos (dort, wo die Samen sein sollten, ist dann nur „schwabbeliges“ Zeug, die nicht entwickelten Samenanlagen.)

Feldgurken müssen aber bestäubt werden, damit sie Früchte bilden. Wie das geht, habt ihr sicher alle einmal in der Schule gelernt, aber nur zur Erinnerung: der Pollen/Blütenstaub muss von den Staubblättern (den männlichen Teilen der Blüte) zur Narbe (weiblicher Teil) gelangen, das ist die Bestäubung, die meistens durch Insekten oder Wind passiert. Die Pollenkörner verschmelzen dann mit den Eizellen im Fruchtknoten – auch nicht viel anders als bei uns Menschen – das ist die Befruchtung.

Gut, Biologiestunde beendet, zurück zu meinen Gurken.

Meine Feldgurke steht immer noch am Küchenfenster, weil ich erst ein paar Kohlrabis essen muss, damit ich Platz in dem Topf kriege. Gestern Abend ist mir aufgefallen, dass sie blüht – schön brav eine weibliche Blüte an der einen Pflanze und eine männliche an der anderen (unsere Feldgurken haben immer zwei Pflanzen pro Topf).

Gurkenblüten sind uns Menschen wirklich ziemlich ähnlich – da gibt es auch Männchen und Weibchen. Eigentlich ganz einfach zu unterscheiden (sind leider nicht die besten Fotos, mein Fotoapparat versteht nicht immer so ganz, was ich von ihm will…)

Hier ist die Dame:

Ganz einfach zu erkennen an der klitzekleinen Gurke unten dran – die sich aber in diesem Fall nur entwickeln kann, wenn die Blüte bestäubt wird. Wie gesagt, bei parthenokarpen Sorten wachsen die Gurken auch ohne Bestäubung, solche Pflanzen haben dann auch nur weibliche Blüten.

Und hier ist der Herr:

Leider ein bisserl ungünstig fotografiert, die anderen Knospen sind im Weg, aber man sieht: keine Mini-Gurke, sondern nur ein dünner Stängel.

Meistens sind die ersten Blüten Männchen – auch bei anderen Kürbisgewächsen, wie z.B. Zucchini. Drum also nicht wundern, wenn sie die erste Zeit nur schön blühen, aber keine Früchte ansetzen. Die Damen lassen sich halt ein bisschen Zeit.

Die männlichen Blüten sind aber nicht „sinnlos“, auch wenn sie keine Früchte bilden. Am Anfang, solange noch keine weiblichen Blüten da sind, kann man sie essen – aber sobald die ersten weiblichen Blüten aufblühen, die männlichen nicht mehr abzupfen, da werden sie zur Bestäubung gebraucht!

Und das war dann mein kleines „Problem“ – so schöne Blüten, und die Pflanze steht innen am Fenster, wo sich keine Biene hin verirrt (bzw. keine Hummel – die sehe ich regelmäßig am Balkon, aber noch keine einzige Biene dieses Jahr!)

Drum also ab zur Schreibzeug-Lade – zum Glück sind da noch einige Überreste aus meiner Schulzeit drin, unter anderem auch Pinsel. Von denen hab ich mir den schlankesten Haarpinsel ausgesucht, damit erst mal in der männlichen Blüte herum“gestochert“, bis ich auf dem Pinsel ein paar gelbe Staubkörnchen gesehen habe, und dann in der weiblichen Blüte herumgestochert. Schauen wir mal, ob das was gebracht hat. Der Pinsel gehört jedenfalls ab sofort zu meinen „Gartengeräten“, und bleibt gleich am Küchenfenster.

Hm… also falls ich irgendwann einmal Kinder habe und denen erklären muss, was künstliche Befruchtung ist: „Ja, das ist so wie wenn die Mama mit dem Pinsel in den Gurkenblüten…“

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6 Antworten zu Die Bienchen, die Blümchen und die Pinselchen

  1. Nadja schreibt:

    Interessant, dein Bericht! Ich bin ja in meinem ersten Jahr als Balkongärtnerin, daher kenn ich mich mit den Bienchen und den Blümchen, äh mit den weiblichen und männlichen Blüten noch nicht so gut aus. Wie schaut das eigentlich bei Tomaten aus? :)

    Liebe Grüße
    Nadja

    • Ivynettle schreibt:

      Bei den Tomaten ist es ganz einfach – die haben zweigeschlechtliche Blüten, d.h. Pollen und Narbe/Fruchtknoten in einer Blüte, und bestäuben sich meistens selbst. Zum „Mithelfen“ brauchst du nicht einmal einen Pinsel – einfach die Pflanze ab und zu schütteln, damit die Pollen auf die Narbe fallen.

  2. kathrin schreibt:

    Ein herrlicher Bericht. Meine Gurken beginnen auch die ersten Früchte anzusetzen. Bei den Kürbissen sieht es eher mau aus, mal sehen wie lange es noch dauert bis sich die so richtig entwickelt haben.

    Veredelte Pflanzen habe ich bisher noch nie gekauft, waren mir immer zu teuer.

    lg kathrin

  3. Pingback: Und was soll das jetzt wieder? | Gemüse aus Balkonien

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